5 Tipps für das Zusammenleben mit einem Au Pair
Den Alltag in der Gastfamilie meistern
Ein Au Pair im eigenen Haushalt aufzunehmen kann eine bereichernde Erfahrung sein – aber sie bringt auch ihre Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Kulturen, Erwartungen, Erziehungsstile sowie Alters- und Erfahrungsunterschiede treffen direkt im Alltag aufeinander.
Tip 1 – Verständnis
Als Gasteltern kann es sich manchmal anfühlen, als hätte man einen Teenager im Haus. Stimmungsschwankungen können zermürbend sein, und die Tatsache, dass viele Au Pairs an freien Tagen lange schlafen oder lieber in ihrem Zimmer bleiben, kann frustrierend wirken. Dazu kommen eine starke Bindung an das Smartphone und manchmal ungewöhnliche Essgewohnheiten – und man fragt sich vielleicht, ob die Aufnahme eines Au Pairs nicht bedeutet, ein weiteres Kind ins Haus zu holen.
Aber…
Erinnern Sie sich noch an Ihre eigenen frühen 20er? Ich schon. Auch ich war versucht, meine Freizeit im Bett zu verbringen – mit Lesen, Laptop oder Musik. Ich kannte sogar das Fernsehprogramm auswendig. Hätte ich damals noch zu Hause gewohnt, hätte meine Mutter mein Verhalten sicher auch in Frage gestellt.
Meine Ernährungsgewohnheiten wurden erst später gesünder – vor allem während der Schwangerschaft. Obwohl ich schon immer gerne gekocht habe, habe ich mir selten viel Mühe gemacht, wenn ich nur für mich selbst gekocht habe. Pizza, Pasta, Süßigkeiten und Fast Food gehörten regelmäßig zu meinem Wochenspeiseplan. Auch wenn Au Pairs höflich lächeln, wenn sie frische Suppe und Gemüse serviert bekommen – das sind in der Regel nicht ihre Favoriten. Viele meiner Au Pairs wussten nach dem Sprachkurs genau, wo das nächste Fast-Food-Restaurant war, und aßen dort lieber, bevor sie zu uns zum Abendessen kamen.
Zuständigkeitsbereiche
Warum sollten wir uns als Gasteltern überhaupt mit diesen Dingen beschäftigen? Die Freizeit unseres Au Pairs zu überwachen oder zu organisieren liegt nicht in unserer Verantwortung. Auch wenn es schade erscheint, dass ein Au Pair nach einem Jahr in Deutschland kaum über einen Umkreis von 20 km hinausgekommen ist – uns als Gasteltern betrifft das nicht.
Aufmerksamkeit ist nur dann geboten, wenn die Gesundheit des Au Pairs seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Ein junger Körper verträgt einiges – auch bei weniger idealen Gewohnheiten. Weder uns noch unseren Kindern entsteht dadurch ein Schaden.
👉 Unser Tipp: Es gibt im Alltag ohnehin genug, woran man denken muss. Konzentrieren Sie sich nur auf das, was Sie wirklich betrifft.

Tip 2 – Kommunikation
Ich erkläre Au Pairs immer, dass wir Deutschen unseren Kindern zwar beibringen, „bitte“ und „danke“ zu sagen – es selbst im Alltag aber oft vergessen.
Englisch hingegen ist eine sehr höfliche Sprache. Direkte Kritik wird in der Regel vermieden und mit positiver Formulierung abgemildert:
„Du hast das wirklich gut gemacht, aber es gibt eine Kleinigkeit, die du noch verbessern könntest.“
Sogar Anweisungen werden oft als höfliche Frage formuliert:
„Könntest du bitte den Tisch decken?“
Die Bedeutung ist jedoch dieselbe.
Tonfall ist entscheidend
Es ist wichtig zu verstehen, dass Deutsche anders kommunizieren als viele andere Kulturen. Die Art, wie etwas gesagt wird, spielt für Au Pairs eine große Rolle – sie signalisiert Respekt. Was für uns normal wirkt, kann auf sie unhöflich oder harsch wirken.
👉 Unser Tipp: Wir können von anderen Kulturen viel lernen. Ob bei der Arbeit, beim Einkaufen oder zu Hause – ein freundlicher Tonfall macht einen großen Unterschied. „Bitte“ und „Danke“ sollten nicht nur von Kindern erwartet werden, sondern auch von uns selbst.
Auch wenn Au Pairs technisch gesehen Angestellte sind, freuen wir uns, wenn sie sich bedanken – fürs Kochen, Einkaufen, Putzen oder die Zeit mit den Kindern. Respekt sollte in beide Richtungen gehen.
Tip 3 – Einen Arbeitsplan erstellen Schedule
Ein klarer Arbeitsplan hilft sowohl der Gastfamilie als auch dem Au Pair, die gegenseitigen Erwartungen zu verstehen. Das gilt besonders für Haushaltsaufgaben. Je detaillierter der Plan, desto besser. Vieles erscheint uns selbstverständlich – aber wer noch nie einen eigenen Haushalt geführt hat, wird es schlicht nicht bemerken. Dazu kommt: Jeder hat ein anderes Verständnis von „sauber“.
Wenn man auf dem Land lebt, mit drei Kindern, zwei Hunden, Kaninchen und Hühnern im Garten, stören einen Schuhspuren im Flur vielleicht gar nicht. Wer hingegen in einer Stadtwohnung mit einem Kind lebt, empfindet ein paar Haare im Badezimmer schon als Albtraum.
Bei der Planung ist es wichtig, realistische Erwartungen zu setzen. Je nach Erfahrung des Au Pairs können Aufgaben länger dauern. Das bedeutet nicht, keine Grenzen zu setzen – aber wir Eltern, vor allem Mütter, sind bei Haushaltstätigkeiten oft doppelt so schnell wie selbst eine professionelle Reinigungskraft.
Alles hat seinen Platz
Das ist eine Regel, die ich sowohl meiner Tochter als auch meinen Au Pairs erkläre – auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass nur ich sie wirklich beherzige. Beide räumen nicht gern auf, tun es aber. Mein Ordnungssystem wird dabei jedoch meist ignoriert, und alles landet durcheinander.
Da beide mit ihrem eigenen System gut zurechtkommen, mische ich mich kaum noch ein. Alle paar Monate entsorge ich still und heimlich die angesammelten Papierschnipsel, Plastikspielzeug, Süßigkeiten, Verpackungen und andere Dinge aus Schubladen und Kisten – am besten, wenn das Haus ruhig ist und niemand widersprechen kann.
Danach fühle ich mich immer besser – und stelle fest, dass weder mein Kind noch mein Au Pair irgendetwas davon vermisst. Und es gibt weder Schimmel noch Ungeziefer.
Natürlich ist die Organisation der Kinderbetreuung deutlich komplexer. Einen minutengenauen Spielplan zu erstellen ergibt keinen Sinn und würde Kinder auch nicht glücklich machen. Aber man kann dem Au Pair das Leben erleichtern, indem man je nach Situation Optionen anbietet.
Wenn die Sonne scheint: Fußball spielen, auf dem Trampolin springen, auf den Spielplatz gehen oder Fahrrad fahren.
Wenn es regnet: Brettspiele, Basteln oder mit Lego bauen.
Und wenn gar nichts funktioniert und alle schlechte Laune haben, kann ein kleines „Indoor-Picknick“ mit fröhlicher Musik die Stimmung komplett verändern.
👉 Unser Tipp: Nehmen Sie sich vor der Ankunft Ihres Au Pairs die Zeit, einen klaren und strukturierten Arbeitsplan zu erstellen. Je detaillierter und konsequenter er ist, desto besser.
Tip 4 – Klare Regeln setzen
Zusammenleben bedeutet, Regeln zu befolgen. Das machen wir ganz selbstverständlich mit unseren Partnern. Wir lernen uns kennen, ziehen zusammen und entwickeln gemeinsame Erwartungen. Manche Dinge müssen besprochen werden, andere ergeben sich von selbst. Viele Regeln kommen aus der eigenen Erziehung, andere hängen von der Situation oder der Generation ab. Einige werden auch von außen vorgegeben – wie etwa die Mülltrennung.
Wenn Au Pairs in unsere Familien kommen, treten sie in ein bereits bestehendes System ein. Unsere Kinder wachsen mit diesen Regeln auf – auch wenn sie sich manchmal dagegen sträuben. Aber Au Pairs bringen ihre eigenen Erfahrungen und Erwartungen mit. Manchmal treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander.
Da wir nur etwa 12 Monate miteinander verbringen, ist es sinnvoll, nicht monatelang über Grundregeln zu verhandeln.
Andere Kultur, andere Gewohnheiten
Vieles, was uns deutschen Eltern selbstverständlich erscheint, ist für ein Au Pair völlig neu. Schon innerhalb Europas fällt Deutschland bei Themen wie Mülltrennung auf. Hinzu kommt die starke Betonung von Pünktlichkeit – lieber zu früh als zu spät.
Auch der Umgang mit dem Smartphone ist ein häufiger Streitpunkt. Viele Eltern haben das Gefühl, dass Au Pairs ständig am Handy sind. Aber wenn wir nicht klar erklären, was uns wichtig ist und warum, können wir nicht erwarten, dass sie es von selbst wissen.
Für manche Familien ist es nicht verhandelbar, dass Kinder essen, was auf den Tisch kommt. Für andere zählt allein, dass die Kinder irgendetwas Gesundes essen – unabhängig davon, was oder wann.
Auch Gasteltern müssen Prioritäten setzen. Man kann nicht alles durchsetzen.
Um es einfacher zu machen, stellen wir unseren Gastfamilien ein Dokument mit Hausregeln zur Verfügung. Wir empfehlen immer, es an den eigenen Haushalt und die eigenen Vorstellungen anzupassen. Es deckt viele Bereiche des Alltags ab – von Mülltrennung und Handynutzung bis hin zu Erwartungen an die Kinderbetreuung.
👉 Unser Tipp: Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Hausregeln anzupassen und sie gemeinsam mit Ihrem Au Pair durchzugehen. Das verhindert Missverständnisse und spart später wertvolle Zeit.
Tip 5 – Erwartungen herunterschrauben
Wenn wir mit Familien sprechen, die zum ersten Mal ein Au Pair aufnehmen, ermutigen wir sie immer, ihre Erwartungen zu senken.
Unser Motto: Ein Au Pair ist kein Mary Poppins.
Der Traum…
Als Gastfamilien sagen wir oft, wir erwarten nicht viel. Wir wünschen uns eine „große Schwester“ oder einen „großen Bruder“ für unsere Kinder und ein bisschen Unterstützung im Haushalt. Das Au Pair soll selbstständig und kinderlieb sein. Durchsetzungsvermögen und Ordnungssinn wären ein Plus. Und natürlich verstehen wir Heimweh und Kulturschock.

…und die Realität
In der Realität fragen wir uns manchmal, wie ein Au Pair dreimal über einen Wäschekorb steigen kann, ohne daran zu denken, ihn wegzuräumen. Ist es wirklich zu viel verlangt, dass jemand „vorausdenkt“? Und wie ist es möglich, dass er nach Monaten immer noch den falschen Zug nimmt oder vergisst, seine Prepaidkarte aufzuladen?
Wenn wir selbst durch unseren Alltag hetzen und abends erschöpft ins Bett fallen, kann es schwerfallen, Geduld für die Herausforderungen des Au Pairs aufzubringen. Dinge immer wieder zu erklären, die uns selbstverständlich erscheinen, kann zermürbend sein.
Es könnte immer schlimmer kommen
Au Pairs machen Fehler. Manche größer als andere. Als Agentur hören wir viele Geschichten. Als Gastmütter erleben wir selbst einiges. Im Nachhinein werden manche Situationen lustig, andere bleiben lange im Gedächtnis.
Je mehr Au Pairs man aufnimmt, desto mehr Geschichten sammelt man. Und oft stellt man später fest, dass es nicht so schlimm war, wie es schien.
Unsere Erfahrung zeigt: Von 9 Au Pairs
- ist 1 eine perfekte Übereinstimmung
- sind 3 sehr schwierig
- liegen die übrigen irgendwo dazwischen – mit Stärken und Schwächen
Wenn man die Dinge in den richtigen Kontext setzt, muss man auch bedenken, dass ein Au Pair rund 2,58 € pro Stunde verdient. Eine Tagesmutter oder ein Babysitter kostet in der Regel deutlich mehr. In Städten wie München verdienen Reinigungskräfte mindestens 15 € pro Stunde.
👉 Unser Tipp: Bevor Sie sich ärgern, treten Sie einen Schritt zurück.
Ist jemand verletzt?
Gibt es bleibende Schäden?
Ist etwas dauerhaft verloren oder kaputt?
Nein?
Dann tief durchatmen.
Denken Sie daran: Sie trainieren gerade starke Nerven. Verglichen damit könnten die Teenagerjahre Ihrer eigenen Kinder fast wie ein Spaziergang wirken.

Möchtest du Au-pair in Deutschland werden?
My Family Au Pair gehört zu den wenigen Agenturen, die
• keine Gebühren für Au-pairs verlangen
• sichere, ehrliche und transparente Vermittlung anbieten
• dich bei Dokumenten, Interviews und der Vorbereitung unterstützen
Related Posts

Wie Au Pairs in Deutschland Strom sparen können (ganz ohne Stress)
Strom in Deutschland gehört zu den teuersten in Europa. Viele Haushalte zahlen etwa 250–350 € im Monat – deshalb ist das Thema Energieverbrauch für Gastfamilien wichtig (und manchmal auch etwas sensibel). Als Au Pair musst du dein Leben nicht komplett

Indoor-Spiele für Kinder in Deutschland: 5 Klassiker, die jedes Au Pair kennen sollte
In Deutschland verbringt man – vor allem im Herbst und Winter – viel Zeit drinnen. Für Au Pairs und Gastfamilien ist es deshalb super hilfreich, ein paar einfache und unterhaltsame Spiele parat zu haben. In diesem Guide zeigen wir dir