Kinder ins Bett bringen ohne Stress

Tipps für eine entspannte Abendroutine

Kennen Sie das? Monatelang funktioniert das Zubettgehen völlig problemlos – und plötzlich beginnt jeden Abend das gleiche Theater. Tränen, Diskussionen, Durst, noch einmal zur Toilette, „nur noch eine Geschichte“ oder erstaunlich kreative Gründe, warum Schlafengehen gerade wirklich unmöglich ist.

Wenn das Zubettgehen bereits für Eltern schwierig wird, ist es für ein Au Pair oft noch herausfordernder. Manchmal funktioniert die Abendroutine mit Mama und Papa problemlos, während die Kinder beim Au Pair plötzlich jede Regel infrage stellen.

Die gute Nachricht: Eine klare, ruhige Abendroutine für Kinder kann das Zubettgehen deutlich entspannter machen – unabhängig davon, ob Eltern oder Au Pair die Kinder ins Bett bringen.

Dabei geht es nicht darum, jeden Abend perfekt ablaufen zu lassen. Viel wichtiger sind Vorhersehbarkeit, Ruhe, Verbindung und klare Grenzen.

1. Vor dem Schlafengehen Zeit zum Reden einplanen

An einem normalen Tag passiert für Kinder unglaublich viel. Kindergarten oder Schule, Freunde, Streit, neue Eindrücke, kleine Erfolge und kleine Enttäuschungen müssen verarbeitet werden.

Gerade wenn Eltern viel arbeiten und das Au Pair am Nachmittag einen großen Teil der Kinderbetreuung übernimmt, fehlt manchmal genau die Zeit, in der ein Kind einfach erzählen kann.

Spielen, Basteln und gemeinsame Aktivitäten sind wichtig – aber sie ersetzen nicht immer ein ruhiges Gespräch.

Es kann deshalb helfen, etwa zehn Minuten vor dem Schlafengehen bewusst für Gespräche zu reservieren.

Fragen können zum Beispiel sein:

  • Was war heute schön?
  • Was hat dich geärgert?
  • Worüber hast du heute gelacht?
  • Gab es etwas, das schwierig war?
  • Worauf freust du dich morgen?

Diese Gespräche helfen Kindern nicht nur dabei, den Tag abzuschließen. Sie vermitteln auch: Was du erlebst und fühlst, interessiert mich.

Und nebenbei entsteht etwas, das später noch viel wichtiger werden kann: Vertrauen.

Wenn Kinder schon früh erleben, dass sie mit kleinen Sorgen zu ihren Eltern kommen können, fällt es ihnen möglicherweise leichter, später auch über größere Probleme zu sprechen.

2. Ruhe in die Abendroutine bringen

Nicht jedes Kind möchte am Abend lange reden. Und ein Au Pair kann gerade am Anfang aufgrund der Sprache oder der Beziehung zum Kind möglicherweise noch keine tiefen Gespräche führen.

Dann können kleine, immer wiederkehrende Rituale helfen.

Das kann ein Abendgebet sein, aber genauso gut ein kurzer Spruch, eine kleine Atemübung, eine Geschichte oder ein gemeinsamer Satz zum Abschluss des Tages.

Wichtig ist weniger was gesagt wird, sondern dass das Ritual signalisiert:

Der Tag ist jetzt vorbei. Es wird ruhig. Gleich ist Schlafenszeit.

Für kleinere Kinder eignen sich einfache Reime besonders gut:

Wer ein klassisches Abendgebet in die Routine integrieren möchte, kann zum Beispiel dieses bekannte Gebet von Luise Hensel verwenden:

bedtime prayer

Natürlich muss eine Abendroutine nicht religiös sein. Auch Fantasiereisen, ruhige Hörgeschichten oder kurze Meditationen für Kinder können dabei helfen, vom aktiven Tagesmodus in einen ruhigeren Zustand zu wechseln.

3. Eine feste Abendroutine für Kinder schaffen

Kinder profitieren von Abläufen, die sie vorhersehen können.

Das gilt auch dann noch, wenn sie älter werden.

Eine einfache Abendroutine könnte beispielsweise so aussehen:

Abendroutine

Der genaue Ablauf ist dabei weniger wichtig als die Konsequenz.

Das hat auch einen großen Vorteil für Familien mit Au Pair: Das Kind kennt die Routine unabhängig davon, welche Betreuungsperson an diesem Abend zuständig ist.

Idealerweise halten sich deshalb Eltern und Au Pair an dieselben Grundregeln.

Wenn bei den Eltern drei Geschichten erlaubt sind, das Au Pair aber nach einer Geschichte das Licht ausschalten soll, sind Diskussionen praktisch vorprogrammiert.

Klare Absprachen zwischen Eltern und Au Pair erleichtern allen Beteiligten den Abend.

4. Kleine Entscheidungen abgeben

Kinder möchten zunehmend selbst bestimmen. Das ist ein völlig normaler Teil ihrer Entwicklung.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Regel verhandelbar sein muss.

Die Schlafenszeit kann beispielsweise feststehen. Innerhalb der Abendroutine können Eltern dem Kind trotzdem kleine Entscheidungen überlassen.

Zum Beispiel:

„Möchtest du zuerst den Pyjama anziehen oder zuerst Zähne putzen?“

oder:

„Möchtest du heute das Buch mit dem Bären oder das mit dem Drachen lesen?“

Das Kind bekommt dadurch ein Gefühl von Mitbestimmung, ohne dass die eigentliche Grenze infrage gestellt wird.

Aus

„Willst du jetzt ins Bett gehen?“

wird also besser:

„Es ist Schlafenszeit. Möchtest du zuerst Zähne putzen oder deinen Pyjama anziehen?“

Das Ziel bleibt gleich. Das Kind darf aber einen Teil des Weges dorthin selbst bestimmen.

5. Motivation kann helfen

Erwachsene verstehen den Zusammenhang zwischen Schlaf und dem nächsten Tag ziemlich gut.

Ein kleines Kind denkt dagegen selten:

„Ich sollte jetzt schlafen gehen, damit mein Nervensystem ausreichend regeneriert und ich morgen ausgeglichener bin.“

Für Kinder sind unmittelbare Konsequenzen leichter verständlich.

Deshalb kann manchmal eine kleine Belohnung helfen, eine neue Abendroutine zu etablieren.

Das muss nichts Großes sein.

Zum Beispiel:

Fünf entspannte Abende = ein neues Pixi-Buch für die gemeinsame Vorlesezeit.

Auch ein Stickerplan kann für kleinere Kinder funktionieren.

Wichtig ist, dass nicht jeder normale Bestandteil des Familienalltags dauerhaft „bezahlt“ werden muss. Eine kleine Belohnung kann aber dabei helfen, eine neue Gewohnheit aufzubauen oder eine schwierige Phase zu überbrücken.

6. Ängste beim Schlafengehen ernst nehmen

Nicht jedes Problem beim Zubettgehen ist ein Machtkampf.

Manchmal steckt echte Angst dahinter.

Kinder können Angst vor Dunkelheit haben, vor Monstern unter dem Bett, vor Geräuschen, vor Albträumen oder vor Figuren und Geschichten, die sie tagsüber beschäftigt haben.

Aus Erwachsenensicht wirken solche Ängste manchmal irrational.

Für das Kind sind sie trotzdem real.

Ein

„Da ist doch nichts!“

hilft deshalb oft wenig.

Hilfreicher ist es, die Angst anzuerkennen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Zum Beispiel:

  • ein kleines Nachtlicht,
  • eine Taschenlampe neben dem Bett,
  • ein bestimmtes Kuscheltier als „Beschützer“,
  • die Tür einen Spalt offen lassen,
  • gemeinsam unter dem Bett nachsehen,
  • kurz darüber sprechen, was dem Kind Angst macht.

Damit bestätigen Sie nicht, dass tatsächlich ein Monster unter dem Bett wohnt. Sie zeigen dem Kind vielmehr:

Ich sehe, dass du Angst hast, und ich helfe dir damit umzugehen.

Auch für das Au Pair ist es wichtig zu wissen, welche Ängste ein Kind hat und welche Strategien die Eltern normalerweise verwenden.

7. Eltern und Au Pair sollten dieselben Regeln haben

Dieser Punkt wird in Familien mit Au Pair besonders wichtig.

Kinder merken sehr schnell, bei wem Regeln verhandelbar sind.

Wenn Eltern sagen:

„Nach zwei Geschichten ist Schlafenszeit.“

das Au Pair aber nach fünf weiteren Geschichten, drei Gläsern Wasser und vier Diskussionen doch nachgibt, lernt das Kind nicht unbedingt besser einzuschlafen.

Es lernt vor allem:

Beim Au Pair lohnt sich Verhandeln.

Deshalb sollten Eltern ihrem Au Pair möglichst konkrete Regeln für die Abendroutine geben:

Wann beginnt die Routine?
Wie viele Geschichten werden gelesen?
Darf das Kind nach dem Zähneputzen noch etwas essen?
Wie wird mit „Ich habe Durst“ umgegangen?
Bleibt jemand beim Kind, bis es eingeschlafen ist?
Was passiert, wenn das Kind wieder aufsteht?

Je klarer diese Fragen vorher besprochen werden, desto leichter kann das Au Pair ruhig und konsequent reagieren.

8. Wenn plötzlich gar nichts mehr funktioniert

Auch eine gute Schlafroutine verhindert nicht jede schwierige Phase.

Kinder entwickeln sich weiter. Sie beginnen vielleicht mit Kindergarten oder Schule, erleben Veränderungen in der Familie, haben neue Ängste oder testen plötzlich stärker ihre Grenzen.

Deshalb lohnt es sich manchmal zu überlegen:

Was hat sich verändert, seit das Zubettgehen schwierig geworden ist?

Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei der Abendroutine selbst.

Ein besonders aufregender Tag, Veränderungen in der Betreuung, neue Geschwister, ein Umzug oder Stress können sich gerade am Abend bemerkbar machen – dann, wenn alles ruhig wird.

Bevor immer strengere Regeln eingeführt werden, kann es deshalb sinnvoll sein, erst einmal herauszufinden, warum das Kind plötzlich nicht mehr schlafen gehen möchte.

Eine entspannte Abendroutine braucht keine Perfektion

Es gibt nicht die eine perfekte Abendroutine für jedes Kind.

Manche Kinder brauchen viel Nähe. Andere möchten noch erzählen. Manche entspannen beim Vorlesen, andere bei Musik oder einem kleinen Abendritual.

Entscheidend sind vor allem einige einfache Grundprinzipien:

Ruhe, Wiederholung, Verbindung, klare Grenzen und möglichst gleiche Regeln bei allen Betreuungspersonen.

Gerade in Familien mit Au Pair lohnt es sich deshalb, die Abendroutine nicht dem Zufall zu überlassen.

Wenn Eltern und Au Pair wissen, wie der Abend ablaufen soll und wo die Grenzen liegen, gibt das nicht nur dem Kind Sicherheit – sondern auch dem Au Pair.

Und aus dem täglichen Kampf ums Zubettgehen kann wieder das werden, was die letzten Minuten eines langen Tages eigentlich sein sollten:

eine ruhige Zeit miteinander.

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